30 March 2021

Leitfaden zur Unternehmenssteuer in Singapur

Singapur wird oft als das führende Beispiel für Länder genannt, die weiterhin die Körperschaftsteuersätze senken und verschiedene Steueranreize einführen, um globale Investitionen anzuziehen und zu halten. Das Land hat ein einstufiges, territoriales und pauschales Körperschaftsteuersystem. Der effektive Steuersatz als einer der niedrigsten der Welt und die allgemeine "Geschäftsfreundlichkeit" Singapurs sind die beiden wichtigen Faktoren, die zum Wirtschaftswachstum und zu ausländischen Investitionen im Stadtstaat beitragen.

Dieser Leitfaden gibt einen detaillierten Überblick über die Einkommenssteuersätze, das Steuersystem und die Steuervergünstigungen für Unternehmen in Singapur. Um Ihre geschätzten Steuern in Singapur zu berechnen und diese mit den Steuern in Ihrem Heimatland zu vergleichen, nutzen Sie bitte unseren Online-Steuerrechner.

Einstufiges Einkommensteuersystem

Seit dem 1. Januar 2003 hat Singapur ein einstufiges Körperschaftsteuersystem eingeführt, was bedeutet, dass es für die Stakeholder keine Doppelbesteuerung gibt. Die von einem Unternehmen auf sein anrechenbares Einkommen gezahlte Steuer ist die Endsteuer, und alle Dividenden, die ein Unternehmen an seine Anteilseigner zahlt, sind von einer weiteren Besteuerung ausgenommen. In Singapur gibt es keine Steuer auf Kapitalgewinne. Beispiele für Kapitalgewinne sind Gewinne aus dem Verkauf von Anlagevermögen, Devisengewinne aus Kapitaltransaktionen usw.

Körperschaftsteuersätze und allgemeine Steuerbefreiungen

Hauptsteuersatz

Singapurs Körperschaftssteuersatz liegt bei 17 %. Um Singapur als attraktives Investitionsziel zu etablieren, wurden die Einkommenssteuersätze in Singapur kontinuierlich gesenkt.

1997-00 2001 2002 2003-04 2005-06 2007-09 Seit 2010
 26% 25,5% 24,5% 22% 20% 18% 17%

Der Haupt-Körperschaftsteuersatz in Singapur, wie auch in vielen anderen Ländern, gibt nicht unbedingt einen genauen Hinweis auf den effektiven Steuersatz. Der Effektivsteuersatz ist normalerweise niedriger als der Hauptsteuersatz, was auf die geltenden Steuerbefreiungen und Steueranreize, Abschreibungsregeln usw. zurückzuführen ist.

Allgemeine Steuervergünstigungen

Nachstehend sind allgemeine Steuerbefreiungen/-vergünstigungen aufgeführt, die derzeit für in Singapur steuerlich ansässige Unternehmen, zur Verfügung stehen. Sobald diese Steuerbefreiungen auf das zu versteuernde Einkommen angewandt werden, wird der Effektivsteuersatz für kleine bis mittlere Unternehmen erheblich reduziert.

Ab dem Veranlagungsjahr 2020 sind die Steuerbefreiungen für neu gegründete Unternehmen in den ersten drei aufeinanderfolgenden Veranlagungsjahren wie folgt:

  • 75 % Befreiung auf die ersten S$ 100.000 des anrechenbaren Einkommens Neu gegründete Unternehmen werden für die ersten 3 Steueranmeldejahre befreit, wenn sie die folgenden Bedingungen erfüllen:
    • in Singapur gegründet
    • Steuerwohnsitz in Singapur
    • hat nicht mehr als 20 Aktionäre, von denen mindestens ein Einzelaktionär mindestens 10 % der Aktien hält.
  • 50 % Steuerbefreiung auf weitere S$ 100.000 des zu versteuernden Einkommens
    Neu gegründete Unternehmen haben außerdem Anspruch auf eine weitere teilweise Steuerbefreiung. Das zu versteuernde Einkommen über S$200.000 wird mit dem normalen Körperschaftssteuersatz von 17 % besteuert.

Effektiver Körperschaftsteuersatz

Die oben genannten allgemeinen Steueranreize stellen sehr attraktive Effektivsteuersätze für kleine bis mittlere Unternehmen dar. Zum Beispiel wird ein in Singapur ansässiges Unternehmen mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von S$2.000.000 wie folgt besteuert:

Einkommenssteueranmeldungen für neu gegründete Unternehmen in den ersten drei Jahren:

Zu versteuerndes Einkommen (S$)  Effektivsteuersatz 
 0-100.000

4,25%

100.001 - 200.000 8,5%
200.001 - 2.000.000 17%

Einkommensteueranmeldungen nach den ersten drei Jahren:

Zu versteuerndes Einkommen (S$)  Effektivsteuersatz 
 0 - 10.000 4,25%
10.001 - 200.000  8,5%
200.001 - 2.000.000 17%

Fälligkeit der Einkommenssteueranmeldung

Der Stichtag für die Körperschaftsteueranmeldung für Unternehmen in Singapur ist der 30. November für Papierformulare und der 15. Dezember für die elektronische Anmeldung.

Für weitere Details lesen Sie bitte den Leitfaden bezüglich der jährlichen Anforderungen an Unternehmen in Singapur.

Einkommenssteuerbasis

In Singapur wird das Unternehmenseinkommen auf der Grundlage des Vorjahres bewertet. Dies bedeutet, dass sich der Basiszeitraum für ein beliebiges Veranlagungsjahr (YA) im Allgemeinen auf das Geschäftsjahr bezieht, das im Jahr vor dem Veranlagungsjahr endet (FYE – Financial Year End). Zum Beispiel werden Sie im Jahr 2018 die Körperschaftssteuererklärung für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2017, einreichen. Der Jahresabschluss Ihres Unternehmens wird jedes Jahr bis zum Ende des Geschäftsjahres (FYE) erstellt.

Quellensteuer

Singapur hat ein Quellensteuergesetz (für bestimmte Einkommensarten) eingeführt, um die Erhebung der an Nichtansässige zu zahlenden Steuern auf in Singapur erzielte Einkünfte zu gewährleisten. Der Steuerrückbehalt gilt nicht für in Singapur ansässige Unternehmen oder Privatpersonen. Wenn eine Zahlung einer bestimmten Art an ein nicht ansässiges Unternehmen oder eine nicht ansässige Privatperson geleistet wird, muss nach dem Gesetz ein Prozentsatz der Zahlung einbehalten und an die Einkommenssteuerbehörde abgeführt werden. Der einbehaltene Betrag wird als Quellensteuer bezeichnet.

Weitere Einzelheiten zur Quellensteuer finden Sie im Quellensteuerleitfaden für Singapur.

Branchenspezifische und spezielle Steueranreize

Zusätzlich zu den oben aufgeführten allgemeinen Steuerbefreiungen/-vergünstigungen gibt es bestimmte branchenspezifische und spezielle Einkommensteuervergünstigungen und vergünstigte Steuersätze, die im Rahmen des Einkommensteuergesetzes angeboten werden. Einen Überblick über diese zusätzlichen Steuervergünstigungen finden Sie unter branchenspezifische Steuervergünstigungen in Singapur.

Steuerlicher Sitz des Unternehmens

Eine Gesellschaft gilt als in Singapur steuerlich ansässig, wenn die Kontrolle und die Leitung des Unternehmens in Singapur ausgeübt wird. Unter "Kontrolle und Leitung" versteht man das Treffen von Entscheidungen in strategischen Angelegenheiten, wie z. B. der Unternehmenspolitik und -strategie. Im Allgemeinen ist der Ort der Verwaltungsratssitzungen der Gesellschaft, bei denen strategische Entscheidungen getroffen werden, einer der Schlüsselfaktoren bei der Bestimmung des Ortes, an dem die Kontrolle und das Management ausgeübt werden.

Ein weiterer Schlüsselfaktor bei der Bestimmung des Ortes, an dem die Kontrolle sowie das Management ausgeübt wird, ist das Beschäftigen von in Singapur ansässigen Geschäftsführern oder Führungskräften in Schlüsselpositionen, die eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung haben. 

Im Allgemeinen gilt eine Gesellschaft als nicht in Singapur ansässig, wenn die exekutiven Direktoren sowie die Sitzungen des Board of Directors außerhalb von Singapur ansässig sind bzw. abgehalten werden. Dies gilt auch dann, wenn das Tagesgeschäft in Singapur stattfindet. Der Wohnsitz einer Gesellschaft kann sich je nach den Umständen von einem Jahr der Bewertung zum nächsten ändern. Eine Niederlassung einer ausländischen Gesellschaft in Singapur wird im Allgemeinen nicht als in Singapur steuerlich ansässig behandelt, da die Kontrolle und das Management bei einer ausländischen Muttergesellschaft liegen.

Die Besteuerungsgrundlage für eine gebietsansässige Gesellschaft und eine nicht gebietsansässige Gesellschaft ist im Allgemeinen die gleiche, mit Ausnahme bestimmter Vorteile, die lediglich gebietsansässigen Gesellschaften zur Verfügung stehen.

  • Eine in Singapur steuerlich ansässige Gesellschaft kann die Einkommenssteuerbefreiungsregelung für neu gegründete Unternehmen in Anspruch nehmen.
  • Eine in Singapur steuerlich ansässige Gesellschaft kann gemäß Abschnitt 13(8) des Einkommenssteuergesetzes unter bestimmten Voraussetzungen eine Einkommenssteuerbefreiung für aus dem Ausland stammende Dividenden, Gewinne ausländischer Niederlassungen und aus dem Ausland stammende Dienstleistungserträge genießen.
  • Eine in Singapur steuerlich ansässige Gesellschaft ist berechtigt, die Vorteile aus den Doppelbesteuerungsabkommen (DTA – Double Taxation Agreements), die Singapur mit Vertragsstaaten abgeschlossen hat, in Anspruch zu nehmen.
  • Bitte beachten Sie, dass der Ort der Gründung einer Gesellschaft nicht unbedingt ein Hinweis auf den steuerlichen Sitz einer Gesellschaft ist.

Steuerabkommen

Ein Steuerabkommen zwischen zwei Ländern ist in der Regel ein Abkommen, das festlegt, wie das erzielte Einkommen von den Behörden jedes Landes besteuert wird, wenn ein Unternehmen in beiden Ländern geschäftlich tätig ist. Der Hauptvorteil und das Ziel eines Einkommenssteuerabkommens ist es, Unternehmen dabei zu helfen, eine Doppelbesteuerung ihres Einkommens zu vermeiden.

Singapur hat mit mehr als 80 Ländern Steuerabkommen abgeschlossen, und die Liste wächst weiter. Die Abkommen spiegeln Singapurs kontinuierliche Bemühungen wider, Unternehmen bei der Vermeidung von Doppelbesteuerung zu helfen und die Handels- und Investitionsmöglichkeiten über die Grenzen hinweg zu fördern und zu erleichtern.

Seit dem Jahr 2009 ist Singapur einen Schritt weiter gegangen und gewährt einseitige Steuergutschriften an singapurische Unternehmen. Nach der neuen Richtlinie wird allen Unternehmen in Singapur, die Einkünfte aus Ländern erzielen, die kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Singapur haben, eine Steuergutschrift auf ihre ausländischen Einkünfte aus diesen Ländern gewährt.

Weitere Einzelheiten finden Sie im Leitfaden zu den Steuerabkommen und Doppelbesteuerungsabkommen von Singapur.

 

Brauchen Sie Unterstützung bei Ihren Unternehmenssteuern?

Wir helfen Ihnen gerne

Kontakt

Back to top